In den meisten Diskursen, vom Bedingungslosen Grundeinkommen, über die Zukunft der Arbeit, bis hin zu einer nachhaltigen Ökonomie hängen wir tief in festgefahrenen Konventionen fest. Dies ist typisch für Übergangszeiten, wie wir sie gerade erleben. Das Neue soll stets nur eine leichte Abwandlung des Alten sein, möglichst schmerzfrei. Doch graben wir nicht tief genug, überwinden wir nicht den Schmerzpunkt, bleiben die Diskurse dysfunktional und oberflächlich. Dies erkennt man oft daran, dass die im Mainstream diskutierten Lösungen extrem von den Notwendigkeiten abweichen, siehe Klimawandel oder Umweltzerstörung. Wir sind zu wenig radikal, in einem kreativen Sinne. Auch das ist eine Folge des Anpassungsdrucks im kapitalistischen Markt. Weil die klassischen Diskursformate, die auch ihre gravierenden Schwächen hatten,  zerfallen sind und wir fast nur noch die sozialen Medien haben, wird dieser Trend verstärkt. Denn ein wesentliches Problem der sozialen Medien liegt darin, dass diese Komplexität in den Diskursen nicht abbilden können, anders als Bücher beispielsweise, und zusätzlich Konformitäts- zwänge wie “Likes” die Diskurse immer mehr in Käseglocken verengen, bis nur noch Meinung hin und her geworfen wird, aber für die Vermittlung umfassenderer, originärer Auseinder- setzung mit einem Thema kein Raum mehr bleibt. Gleichzeitig versagen die akademischen Strukturen, weil diese auch längst Konformitätszwängen ausgesetzt sind. Wir brauchen also andere Diskurskulturen. Gleichzeitig ist es notwendig, dass Inhalte wieder individuell und in abweichenden Entdeckungen erarbeitet werden, was sehr zeitintensiv ist. Eine Gesellschaft muss Wege finden das zu honorieren. Es braucht also eine andere Arbeitsweise, denn die Erwerbsarbeit zwingt zu Konformismus und korrumpiert. Sie ist somit kein geeignetes Mittel um eine kreativere, humanere, ökologischere Gesellschaft zu gestalten, gar um uns vor der Zerstörung des Ökosystems zu retten. Das ist ein erster wichtiger Gedanke. Darum befasse ich mich derart viel mit Arbeitsformen. Es hat einen Grund weshalb die Welt so zäh auf Veränderung reagiert. Weil unsere Arbeitsweise wenig intelligent und extrem unterkomplex ist. Sie folgt nur einer Relevanz. Dem Verdienen von Geld. Besteht ein Markt überwiegend aus einer Relevanz, etwas was den Kapitalismus wesentlich prägt, ich nenne dies den “isolierten Wert”, als eine Wertigkeit, die sich von möglichst vielen Kontexten und Zusammenhängen abspaltet, wie der moderne Erfolgsbegriff, dann ist das erfolgreichste Produkt eben gerade nicht automatisch des Beste für das gesamte Ökosystem, sondern eine Reduktion, um in einem Markt künstlich den Wert einer Ware zu steigern. Ein Markt der immer Weiter das Beste konstruiert vernichtet alternative Relevanzen und es entsteht was ich die “Wertgrenze” nenne, eine unsichtbare Wand, die alles Andere entwertet und in Relation zum konstrierten Besten im Wert begrenzt. Das ist der Grund warum Menschen sich zwar ewig in ihren Jobs abrackern können, aber diese Leistung niemals gesehen oder honoriert wird, denn ihr Wert ist im Job gedeckelt. Diese Deckelung entsteht daraus, dass der Job zur Ware gemacht nur noch mit einer Relevanz verglichen wird, dem Erfolg. Dieser aber ist vollkommen von Kategorien wie Sinnhaftigkeit oder Ökologie entkoppelt. Begreift man wie die Wertgrenze entsteht, wird viel klarer wie im Kapitalismus Ausbeutung passiert und warum Leistungsbelohnung oder Leistungsbewertung eine Lüge ist. Dies ist nur eines von unzähligen Drehpunkten, die es neu in der Markttheorie zu entziffern gilt, um in einem neuen ökonomischen Denken anders handeln zu können.
Empirische
künstlerische
forschung
in theorie
und praxis themen arbeit-armut ökonomie bedingungsloses grundeinkommen realtätsforschung systementwicklung menschenrechte
Submergenz
“Selbst wenn die Erwerbs- arbeit nur noch Leid ist, ist sie anscheinend noch immer ein Beleg dafür, dass sie eine bessere Welt erschafft. “
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viele leute glauben man müsse ökonomie begreifen, um den kapitalismus zu verstehen. Wesentlich tiefere Einsichten vermittelt die Auseinandersetzung mit den inneren Mustern der Armut, oder des Ökosystems. Darum forsche ich seit 20 Jahren über Ökonomie, aus der Perspektive von ökosystemen, kreativen Prozessen und der Bedeutung von Vielfalt. das ist die Perspektive, die es heute braucht. der Kapitalismus wird wohl nie von ökonomen widerlegt werden. sondern eher von Menschen, die ökonomie breiter denken. Meine Arbeit zeigt einen dritten Weg aus dem Kapitalismus der nichts mit Sozialismus zu tun hat, sondern auf Strukturen, mustern und systemen zum erhalt der Diversität und des ganzen Ökosystems, sowie der individuellen freiheiten beruht.
Es gilt die denkfehler unserer Zeit zu überwinden
Die Forschung und suche nach den stärksten hebeln einer veränderung.
Das Spektrum an erfassbarer, diskutierter, sowie relevanter Realität findet immer weniger Abbildung in Medien und Politik. Dieses Phänomen führt zu einem Verlust an Gestaltbarkeit. Die Submergenz macht dieses Muster erklärbar und zeigt was ein Ausweg sein kann, wie die gesellschaftlichen Strukturen so ver- ändert werden könnten, dass die ganze Bandbreite sozialer und ökologischer Konflikte in Politik und Medien wieder begreifbar werden. Mehr dazu in den Büchern “Radical Worker” und “Die Physik der Armen”. Hier geht es um einen zentralen Begriff in meiner Armuts- und Ökonomieforschung. Ökonomie ist durchsetzt von psychologischen Mechanismen, die sich als Marktregeln tarnen, die jedoch überwiegend auf Mythen beruhen. Der Double Hit beschreibt wie die Schuld- verschiebung im Kapitalismus funktioniert und weshalb sie die Armen in eine Falle drängt, da ihre Situation mit vollkommen falschen Narrationen und Kausalitäten verdeckt wird. Der blinde Glaube an die unbeflekte Leistung und deren Belohnung im Markt leugnet den wesentlich stärkeren Hebel der Priviligierung und Ausgrenzung. Mehr darüber in “Radical Worker”. Der kapitalistische Markt baut Diversität strukturell ab. Eine Folge des Konformismus, der aus dem Wettbewerbsdruck resultiert. Dadurch werden die möglichen Ausgleichs- ebenen für den Markt immer mehr reduziert. Das ermöglicht zwar erst hohe einseitige Gewinne in Masssenmärkten, aber dies geschieht zum Preis des Verlustes an gesunder Werteverteilung, sprich Umverteiltung und einem schwinden der vielfältigen Lösungskompetenzen. Ein Weg dieses strukturelle Problem zu lösen ist der dynamische Diversitätsausgleich, wie er in “Radical Worker” beschrieben wird. Mehr zu meiner Forschung in den Büchern, Videos und Filmen.  
20 Jahre Forschung zu alternativer
und ökologischer ökonomie und arbeit
Themen wie das BGE (Grundeinkommen), nachhaltige Entwicklung, die Zukunft der Arbeit und vieles mehr. Die folgenden Seiten sind nur ein kurzer Einblick. Umfassenderes über meine Arbeit finden Sie in den von mir publizierten Büchern.
Der Double Hit
Der dynamische diversitäts- ausgleich
Timothy Speed
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BÜCHER

ESSAY, ROMAN, NEUE KONZEPTE
Verdammt Sexy - Die Mediengestalter in der Krise von Timothy Speed
Die prozessorientierte Suche nach der “Form” einer künftigen, humaneren, kreativeren Gesellschaft, Kultur und Ökonomie. Ein Gespräch mit Timothy Speed, über seine Jahrzehnte dauernde Forschung, zu den kreativen Strukturen.
Herr Speed, sie haben viele Jahre den Sinn des Lebens erforscht, um darauf eine neue Ökonomie zu begründen. Sie untersuchten mit einem eigenständigen Wissenschaftsparadigma die Grundlagen der Realität. Sie gingen Pleite, um als Verarmter die Wirtschaft zu retten. Sie bedrohten Konzerne und setzten die Regierung unter Druck. Was haben sie dabei entdeckt? Speed: Die Submergenz. Sie ist eine wesentliche Ursache für die Probleme in den gesellschaftlichen Strukturen. Sie ist die Verflachung von Realitätserleben, durch das Bestreben eine bessere Welt zu erschaffen. Es gibt aber kein besseres Leben, denn ein besseres Leben führt nur zur Abwertung von Leben. Sie stellen in ihrer Arbeit alles in Frage, wofür die moderne Ökonomie steht. Leben wir nicht von der Wirtschaft? Speed: Nein, wir leben vom Ökosystem. Die Wirtschaft ist ein Mittel um  Schuld und Abhängigkeit zu erzeugen und um durch Belohnung erwünschtes Verhalten zu fördern. Dadurch wird das Potenzial der Gesellschaft gelähmt. Man redet den Leuten Angst vor Fehlern, Angst vor Armut, Angst vor Ausschluss ein, statt zu verstehen, dass es Gewinn ohne Verlust nicht gibt und es heute mehr Vielfalt, mehr Intelligenz in den Strukturen braucht, statt falsch verstandene Wertvorstellungen wie Leistung. Was ist an Leistung falsch? Speed: Sie ist schlicht zu wenig. Ein paradoxer Satz. Ich meine damit, dass die  Leistung, im Sinne des effizienter, des besser werdens zur Abwertung von Lebenswelten geführt hat, zur Zerstörung von alternativen Realitäts- und Schmerzerfahrungen, in denen Wissen und Potenzial stecken. Wir haben im Wettbewerb nicht die “Schlechteren” ausgesondert, sondern die wesentlichen Bausteine einer dynamischen Gesellschaft zerstört. Und nun wundert man sich über mangelnde Innovationsdynamik, über das Fehlen von Perspektiven und Alternativen. Immer mehr Menschen fallen raus. Wenige Konzerne bestimmen die simplifizierte Infrastruktur. Wer sich dem nicht anpasst, ist nicht Teil der etablierten Realität. Gleichzeitig haben diese “Großen” keinerlei Antwort auf die Problemfragen dieser Zeit, denn sie sind strukturell bedingt dumm, weil sie im Streben nach dem Besseren die Vielfalt zerstört haben. Professionalität ist letztlich nur Beziehungsverweigerung. Man reduziert die Bausteine der Wirklichkeit und wertet dann einseitig auf. Das hat überall zu Problemen geführt. Aber das ist nur ein Bereich meiner Forschung, nur ein Aspekt der Fragestellung. In ihren Büchern “Gesellschaft ohne Vertrauen” und zuletzt in “Die Physik der Armen” haben sie kreative Strukturen in lebendigen Systemen untersucht und versucht das Paradigma der Wissenschaft zu ändern. Warum? Speed: Ich bin Künstler und kein Wissenschaftler. Meine Methodik ist es Muster erkennbar zu machen, in dem ich komplexere Beziehungen auslebe und sichtbar mache. Für mich geht es nicht um den Beweis, sondern um die Erfahrbarmachung von alternativen Möglichkeiten. Daran mangelt es aktuell in Wirtschaft und Politik. In meiner “Synästhetischen Wissenschaft” gehe ich davon aus, dass jede Aussage richtig ist. Die Frage lautet, wie man sie verstehen muss oder kann. Das ist ein völlig anderer Zugang. Dabei wird aber ein ganz anderes Netz in die Welt geworfen, als bei der Suche nach den kleinsten Bausteinen des Universums. Ich habe viele Jahre Naturphänomene und Psychologie beim Menschen untersucht und dabei für mich entdeckt, dass Muster in verschiedenen Disziplinen übertragbar sind, wenn man eine assoziative, eine offene Sprache benutzt. WissenschafterInnen würden das nie tun. Sie sind Objektbezogen und nicht so sehr Beziehungsorientiert, denn am Ende muss der wasserdichte Beweis stehen. Für mich gibt es diesen nicht. Am Ende ist das Objekt stets relativ. Konkret ist nur die erlebte Beziehung. Somit ist meine Forschung, wie ich glaube, näher am Menschen, näher an dessen erlebter Realität und genau dort entstehen ja die Problemfragen. Ich frage, was gewollt ist, wie erlebt wird und wie das Objekt definiert ist. Subjektivität und Objektivität halte ich für überholte Begriffe. Mich interessiert darum mehr, wie viele Realitäten entstehen können und nicht wie die eine belegt werden kann. Die Vorstellung es solle nur eine Realität geben, ist eine primitive Vorstellung von Obrigkeiten. Diese Weltbild sollte überwunden werden, um ein breiteres Ökosystem zu ermöglichen, in dem die  Gesellschaft auf vielfältigeren Beziehungen beruht. Das ist eine ganz andere Marktgrundlage. Sie haben darum die Physik umgeschrieben und eine sozialere Physik erarbeitet? Speed: Ja, eine in der das “Nichts” im Vordergrund steht und nicht das “Objekt”. Dinge wie Armut oder Ungerechtigkeit können in einer Welt, die auf dem “Nichts” beruht, in der alles nur eine Antwort auf eine Abwesenheit ist, eben nicht kausale Folge von Dingen, wesentlich bewusster, direkter, humaner beantwortet werden. Man kann ihnen Versäumnisse nicht vorwerfen, oder Fehler. Es muss nicht erst dies gemacht werden, damit jenes sein darf. Sondern die Veränderung der Lebensbedingungen ist das was Armut beendet und zwar direkt und ohne Bedingung. Unsere Ökonomie ist noch immer äußerst primitiv. Sie stellt Entwicklung unter Bedingungen wie Gehorsam, Arbeitszeit oder Lohnniveau. Das ist dumm. Es muss viel mehr zuerst die Infrastruktur gestellt werden, damit Lebensraum als Erlebnis- als Wissensraum frei bespielt werden kann. Künstliche Intelligenz und Automatisierung machen das bald möglich. Das Problem besteht heute noch darin, dass die KI das Leben erleichtern soll. Dies führt zu einer submergenten Simplifizierung marken- dominierter Lebenswelten, in denen Menschen dann, von Robotern bedient, vegitieren sollen. Die Industriegesellschaft kennt eben nur Zwangsarbeit oder Urlaub. Sie versteht nicht, dass die Welt nicht ein Baukasten wie Lego ist, sondern eine Beziehung, ein zu tiefst kreatives Momentum, in dem viel mehr zum Ausdruck kommt, als darstellbar, oder in Produktwelten zu packen wäre. Nehme ich aber das Ding aus der Rechnung, und die Produktion ist nur der Geburtsprozess der Dinge, lautet die Frage viel mehr, welche Lebenserfahrung will ich machen um was zu lernen oder zu erfahren und weniger was muss ich leisten, wie sehr muss ich Lebensbreite einschränken, um ein Ding haben oder sein zu dürfen. Als bestünde die Welt nur aus Dingen. Als bräuchten wir noch mehr davon, um Existenz zu legitimieren. Durch die KI fällt der Mensch auf sich selbst zurück und muss sich mit völlig anderen Erklärungsmodellen der Weltentstehung befassen. Sie wissen, weil sie leben. Das Musterwissen der Welt steckt in allen Morphologien,  bei Pflanzen, Atomen, Planeten, im geistigen Denken. Man kann dem Wissen, dem Reichtum nicht entkommen, außer man spaltet über unzugängliche Sprachen und isolierte Lebensräume ab, die man mit einem Leistungsbegriff legtimiert. Die eigentliche Angst der Leute, ist heute die Angst vor einer Welt in der sie nicht mehr durch Zwang definiert sind und in ihrem Opfer überhöht, in der Abspaltung vom Gegenüber gesichert, sondern sich ihrer Beziehung zur Welt gestaltend bewusst werden müssen und in diesem  Prozess die Welt neu erarbeiten. Dadurch würden sie zu ArbeiterInnen von Morgen. Was ist das Ziel ihrer Arbeit? Speed: Das ist eine interessante Frage, denn ich versuche möglichst offen zu bleiben. Offene Prozesse sind aber heute verpönt. Man kann sagen, dass es mir darum geht die “Form” zu ermöglichen. Ich versuche eine Projektionsfläche für komplexere, intelligentere Einblicke zu schaffen, sprich zu leben, in dem ich Krisen provoziere, in dem ich mich anders verhalte, in dem ich versuche der “Entwicklung” gerecht zu werden und nicht dem Status, oder der Existenzsicherung. Sie haben an die 2000 Seiten publiziert. Darin sehr viele Theorien und Arbeiten, die stark abweichen, die ungewöhnlich sind. Lässt sich das alles überhaupt  zusammenfassen? Speed: Viele Menschen wollen heute Spezialisten sein. Aber ich suche nach Bausteinen und für eine komplexe, für ein freieres System braucht man möglichst  viele abweichende Teile im Ganzen. Sie haben auch sehr viele konkrete Projekte umgesetzt. Beispielsweise konfrontierten sie die Regierung im Hartz IV System, oder drohten Red Bull vor ihrer Zentrale einen Stier zu töten. Speed: Ein System zeigt die Schwächen nur in der Krise und in kreativen Brüchen kommt entsprechend Bewegung. Wenn sie wie ich sehr oft Systeme herausgefordert haben, erleben sie immer wieder, dass überholte Systeme gestürzt werden wollen. Sie liefern ihnen dazu ständig entlarvende Argumente. Manchmal ist es unglaublich wie sehr das Unbewusste von Menschen in starren Strukturen danach schreit, befreit zu werden. Dies führt zu Sitautionen in denen die Struktur ihr Innerstes offenbart. Strukturen erzählen aber nur dem ihre tiefsten Geheimnisse, der sie  konfrontiert. Die Gehorsamen, die Angepassten kennen nur die Oberfläche. Um ins Eingemachte vorzudringen, muss man ein System immer wieder ad absurdum führen. Beispielsweise habe ich, da kein Unternehmen der Welt einen je dafür bezahlt das eigentlich Wichtige und Richtige zu tun, im Sinne des Gewissens, im Sinne der Menschheit, im Sinne des eigenen inneren Selbst,  mich eben selbst beauftragt  einen Konzern umzubauen. Dabei offenbarte sich eine Struktur und es zeigten sich neue Entwicklungschancen, die ich in meinen Büchern verarbeitete. Die Bundesministerin Nahles musste das ebenfalls erfahren, als ich dem Hartz IV  System die ethische, juristische, ökonomische Grundlage entzog, in dem ich aufzeigte, dass selbstbestimmte Arbeit und Arbeitsverweigerung ökonomisch richtig sein können  und aus volkswirtschaftlicher Sicht der beliebige Job zunächst abzulehnen ist. In jenen Tagen und Wochen wurde der Arbeitsbegriff, ja wurde die Erwerbsarbeit im kleinen aufgehoben und das Bedingungslose Grundeinkommen durchgesetzt, sprich neu legitimiert und zugleich weiter entwickelt. Diese Arbeit ist aber in der Öffentlichkeit  noch wenig bekannt. Wäre sie es, gäbe es Hartz IV vielleicht nicht mehr. Sie haben bereits vor über 20 Jahren begonnen die Kreativität in Gesellschaften zu erforschen. Wie kam es dazu? Speed: Das war vor 2001, vor den großen Wirtschaftskrisen unserer Zeit. Ich arbeitete damals in den Medien und ertrug irgendwann den Fake nicht mehr. Damals hielt ich einen Vortrag vor 1000 Art Direktoren im Haus der Kulturen der Welt und warnte davor, dass wir bald nicht mehr zwischen Stimmigkeit und Lüge würden unterscheiden können und schließlich die eigene Fähigkeit zur bewussten Mitgestaltung der Welt verlören. Ich wollte die Werbung abschaffen. An die 800 Werber verließen aufgebracht den Saal. Das hatte zur Folge, dass ich nicht mehr in den Medien arbeiten konnte. Ich befasste mich mit Psychologie, erforschte den Zusammenhang  zwischen Kreativität und Ökonomie und wollte tiefer verstehen. Daraus entstand  die “Fixpunkttheorie”, die ich in “Gesellschaft ohne Vertrauen” beschrieb. Also das Phänomen, wie neue Strukturen in Systemen entstehen und was das für Politik und Wirtschaft bedeutet, nämlich einen totalen Umbau aller Strukturen. Man hörte mir nicht zu. Was dann in der Welt folgte, wissen wir alle. Nach dem 9.11. drehte sich alles um Angst, Krise und Sicherheit. Die Strukturen  wurden in der Krise enger, statt, wie ich es vorgeschlagen hatte, offener und freier  zu werden, um komplexer zu werden, denn die Leute begriffen immer weniger von  der Welt, weil die Gesellschaft als Format in Medien und Politik zu sehr simplifizierte und sich in dialektischen Lagern spaltete. Das unmittelbere Erleben der Leute geriet in den Hintergrund. So ist es bis heute. Die Politik wurde abstrakter, Europa wurde Abstrakter, mit all den damit verbundenen Problemen. Was machen sie anders? Speed: Ich lebe mein Forschung als Gesamtkunstwerk, als großen Raum, als Gesamtform, in der sich zeigt, was nicht gesehen werden durfte, oder konnte. Dabei stehe ich nicht außerhalb, wie ein Beobachter, sondern agiere viel mehr wie ein intellektueller Tänzer, der sich immer schneller dreht, bis schließlich die Form sich entfaltet. Das ist kein gesteuerter Prozess, keine kontrollierte Arbeit, sondern sich mit der Welt konfrontieren, sich verletzbar und angreifbar machen, um die Türe offen zu halten, für Alternativen und nächste Schritte. Dabei trete ich in Dialog  mit Firmen, mit PolitikerInnen und ziehe sie in eine andere Welt, in die breitere Beziehung. Sie konfrontierten die Medienmogulin Liz Mohn beim Kapitalismustribunal und in ihrem Buch “Organic Television” mit der Forderung nach mehr Teilhabe am Spielbrett der modernen Technologie, forderten den Totalumbau der Medien. Was meinten sie damit? Speed: Mir ging es mit dem Brief an die Eigentümerin eines Senders und vieler Verlage darum die kalte Haut der Mattscheibe zu überwinden und zum Menschlichen in den Medium vorzudringen. Ich wollte die Eigentümerin ganz naiv fragen, warum die Medien sind wie sie sind. Daraus ist ein Essay entstanden, in dem ein anderer Weg beschrieben wird. Ein wesentliches Problem der Medien besteht darin, dass sie Submergenz verschärfen, auch weil das Digitale im Gegensatz zum Analogen die 1:1, die Reibungslose Kopie, den unwidersprochenen Fake ermöglicht, also die Welt als fertiges Produkt. Ich habe versucht einen Weg zu finden, um Medien unfertiger zu gestalten. Mir ging es um die Befreiung der Medien vom Zwang zum Wert, denn dadurch werden wichtige Perspektiven ausgeschlossen und nicht gesehen. Heute dominieren Infrastrukturen wie Internet, TV oder ökonomische Formate. Diese legitimieren sich dadurch, dass sie “richtig”, dass sie “professionell”, dass sie die “Großen” und “Besten” sein wollen. Das zwingt sie zur strukturellen Lüge. Heute wird viel darüber gesprochen, dass wir als KonsumentInnen das Produkt sind. Das stimmt. Der “Fortschritt” ist aber immer nur ein möglicher Fortschritt. Das Gute, das Beste ist nur eine Einschränkung des Möglichen. Ich möchte aufzeigen, dass Wirtschaftswachstum relativ ist. Man kann ihn überall generieren. Es ist eine Entscheidung, keine Frage des Wettbewerbs, also der Abwertung der anderen. Wachstum sollte demokratisiert werden, was der “freie” Markt nicht leisten kann, weil dieser an den Erfolg glaubt. Der Erfolg als Ideologie ist das was die Probleme schafft. Man kann letztlich was die kulturellen Ursachen von Terrorismus oder allgemeiner Wirtschaftsschwäche angeht, hier fündig werden. Das versteht man aber erst, wenn man die Submergenz begreift. Dafür aber müssen die Sprachen offener werden und die Medien haben da ein erhebliches Defizit. Das Buch “Organic Television” ist ein Gegenversuch, ein Experiment mit einem Medium in dem Information als Ökosystem gepflegt wird und nicht als Verbreitungsmethode für dominante Weltbilder.
submergenz 
und die folgen
Konzepte einer humaneren Welt
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