Neurodivergenter Researcher und Künstler, Systemtheoretiker (AuDHD/Autist/ADHS/2E), Buchautor - Forschungsfelder (Artistic Research): Autismus, Bewusstsein, Zukunft der Arbeit, Armut, Ökonomie (Orcid: 0009-0002-0143-5949)

Über mich

Timothy Speed – neurodivergenter Researcher, Systemtheoretiker und Künstler

Foto von Timothy Speed 2025

 

Timothy Speed (*1973, Middlesbrough, UK) ist ein britisch–österreichischer neurodivergenter Systemtheoretiker, Artistic Researcher, Filmemacher und unabhängiger Autor, dessen Arbeit an der Schnittstelle von Ontologie, Erkenntnistheorie, Emergenzforschung, politischer Ökonomie, Neurodivergenz und Recht operiert. Seine Forschung entwickelt einen operatorischen und prozess-relationalen Ansatz, innerhalb dessen Kognition, Arbeit, Wert, institutionelle Systeme und Weltbildung nicht als getrennte Bereiche verstanden werden, sondern als miteinander verbundene Dimensionen derselben zugrunde liegenden Dynamiken.

Innerhalb eines umfangreichen interdisziplinären Forschungskorpus untersucht Speed, wie moderne Gesellschaften Wirklichkeit zunehmend über Stabilisierung, Repräsentation, Simulation und funktionale Lesbarkeit organisieren — häufig auf Kosten irreversibler Emergenz, struktureller Offenheit und langfristiger Weltfähigkeit. Seine Arbeit analysiert die Spannungen, die entstehen, wenn emergente Formen von Kognition und Weltbindung mit hochstabilisierten institutionellen Systemen kollidieren.

Anstatt Wissen primär als Manipulation abstrakter Repräsentationen zu behandeln, die von realen Prozessen getrennt sind, versteht Speed Kognition als verkörperten, relationalen und weltgenerierenden Prozess. Theorie, gelebte Erfahrung, systemischer Konflikt und reale Intervention erscheinen innerhalb seiner Arbeit daher nicht als getrennte Kategorien, sondern als strukturell untrennbare Aspekte von Wissensproduktion selbst.

Speed lebt und arbeitet seit fast drei Jahrzehnten in Deutschland (Region Berlin–Brandenburg), nach prägenden Jahren in Österreich. Er ist Vater von drei Kindern und lebt südlich von Berlin mit einer feministischen Künstlerin und ihrem gemeinsamen Kind.

„Wissen entsteht nicht primär durch Repräsentation, sondern durch relationale Prozesse, die gleichzeitig Welt, Wert und Arbeit hervorbringen. Hochstabilisierte institutionelle Systeme erkennen jedoch überwiegend administrativ lesbare Formen von Kognition an und marginalisieren dadurch systematisch andere Formen von Weltbindung.“

Artistic Research und operatorische Weltbindung

Ausgebildet im Bereich Film und Medien bei Richard Kriesche (HTBLA Graz), entwickelte Speed früh eine Form künstlerischer Forschung, die die Welt nicht als Objekt bloßer Darstellung, sondern als aktives Feld von Intervention und relationaler Emergenz versteht. Seine Praxis verbindet theoretische Modellbildung, Langzeitfeldforschung, künstlerische Produktion, Film, institutionellen Konflikt und Systemanalyse zu einem einheitlichen epistemischen Prozess.

Im Zentrum dieser Arbeit steht das, was Speed als operatorische Weltbindung beschreibt: rekursive Prozesse, durch die Realität nicht bloß beschrieben, sondern aktiv stabilisiert, transformiert und reorganisiert wird. Diese Dynamiken durchziehen Bereiche wie Bewusstseinsforschung, Systemtheorie, Arbeit, Sozialstaat, Neurodivergenz, Emergenzforschung und Ontologie und ermöglichen die Analyse von Phänomenen, die gewöhnlich getrennt behandelt werden, als miteinander verbundene Strukturprozesse.

Anstatt isolierte disziplinäre Beiträge zu entwickeln, bildet Speeds Werk eine rekursive Forschungsarchitektur, innerhalb derer Konzepte, Krisen, Institutionen, soziale Konflikte und theoretische Modelle sich fortlaufend gegenseitig reorganisieren.

Neurodivergente kognitive Architektur

Speeds Arbeit entsteht aus einer spezifischen neurodivergenten kognitiven Architektur (AuDHD), die durch hohe relationale Mustersensitivität, bereichsübergreifende Integration und nicht-simulative Formen der Kognition geprägt ist. Wissen folgt hier nicht primär stabiler symbolischer Abstraktion oder Rollenadaption, sondern emergiert durch rekursive Verdichtung über unterschiedliche Organisationsebenen hinweg.

Erkenntnis entsteht innerhalb dieser Perspektive daher nicht trotz Autismus, sondern durch spezifische neurodivergente Formen von Wahrnehmung, Zeitorganisation und relationaler Verarbeitung. Wahrnehmung, Kognition, Affekt und Handlung bilden eng gekoppelte Systeme anstatt klar voneinander getrennter Funktionen. Äußere Anforderungen nach Simulation, normativer Rollenperformanz oder funktionaler Vereinfachung stabilisieren diese Prozesse meist nicht, sondern erzeugen häufig strukturelle Konflikte, Überlastung oder operative Zusammenbrüche.

Diese Dynamiken bilden einen zentralen Gegenstand von Speeds Forschung. Seine Arbeit untersucht, wie moderne institutionelle Systeme emergente oder eigenzeitlich gebundene Formen von Kognition häufig gerade deshalb als Dysfunktion missverstehen, weil sie außerhalb dominanter Modelle administrativer Lesbarkeit und funktionaler Reproduzierbarkeit operieren.

Eigenzeit, Emergenz und die Krise der Stabilisierung

Ein zentraler Aspekt von Speeds Arbeit ist der Begriff der Eigenzeit: nicht bloß subjektive Zeiterfahrung, sondern die zeitliche Struktur irreversibler Weltbindung selbst. Innerhalb dieser Perspektive entsteht Weltbildung nicht primär aus gespeicherter Information oder stabiler Repräsentation, sondern aus rekursiven Prozessen von Verdichtung, Verschiebung und metastabiler Reorganisation unter Bedingungen offener Differenz.

In seinen Büchern, Filmen und theoretischen Arbeiten entwickelt Speed miteinander verbundene Konzepte wie:

  • Operatorische Kognition
  • Eigenzeit
  • MNO-Theorie
  • Stabilisierungsgesellschaft
  • Autistic Vocation
  • Indimergenz
  • Diversity Threshold und Value Boundary
  • Simulation Override
  • Universal Care Income
  • Arbeit als Weltbindung

Diese Konzepte bilden Bestandteile eines größeren operatorischen Modells zur Untersuchung der Bedingungen, unter denen Gesellschaften emergenzfähig, transformationsfähig und langfristig weltfähig bleiben.

Ein wiederkehrender Fokus der Arbeit liegt auf der These, dass moderne Gesellschaften sich zunehmend auf Stabilisierung, Simulation und funktionale Reproduzierbarkeit optimieren und dabei gleichzeitig die Fähigkeit verlieren, irreversible Offenheit, reale Differenz und emergente Formen von Kognition noch integrieren zu können. Neurodivergente Konfliktzonen erscheinen innerhalb dieser Perspektive daher nicht bloß als psychologische oder soziale Phänomene, sondern als Hinweise auf tiefere strukturelle Spannungen moderner Zivilisation.

Das „innere Labor“

Speed beschreibt seinen Forschungsmodus als „inneres Labor“: ein kontinuierliches verkörpertes Feld, innerhalb dessen Wahrnehmung, Affekt, Kognition, Arbeit, institutioneller Konflikt und Theorieproduktion rekursiv miteinander verschränkt sind. Wissen entsteht dabei nicht primär durch distanzierte Beobachtung, sondern durch langfristige Auseinandersetzung mit realen Bedingungen und strukturellen Spannungen.

Dieser Ansatz verbindet:

  • autoethnographische Feldforschung,
  • Systemtheorie,
  • Artistic Research,
  • Prozessphilosophie,
  • neurodivergente Erkenntnistheorie,
  • und Institutionsanalyse.

Wirklichkeit erscheint innerhalb dieser Perspektive nicht als festes Objekt, sondern als emergenter relationaler Prozess, der sich durch Weltbindung fortlaufend reorganisiert. Das Werk fungiert daher gleichzeitig als theoretische Untersuchung, empirisches Material und systemische Intervention.

Verhältnis zu bestehenden Diskursen

Speeds Arbeit überschneidet sich mit Ansätzen von:

  • Karen Barad (Agentieller Realismus),
  • Donna Haraway (Situated Knowledges),
  • Francisco Varela (Enaktivismus),
  • Gregory Bateson (Systemtheorie),
  • Damian Milton (Double Empathy Problem),
  • sowie neurodivergenter Erkenntnistheorie und prozess-relationalen Ansätzen.

Während diese Ansätze Verkörperung, Situiertheit und Relationalität betonen, erweitert Speeds Arbeit diese Fragestellungen in Richtung irreversibler Emergenz, Stabilisierungsdynamiken, simulationsbasierter Gesellschaften und operatorischer Weltbildung.

Position

Speed arbeitet weitgehend außerhalb klassischer institutioneller Strukturen — nicht primär aus Ablehnung akademischer Systeme, sondern aufgrund struktureller Inkompatibilität zwischen emergenten, bereichsübergreifenden Formen von Kognition und hochstabilisierten disziplinären Organisationsformen.

Seine Forschung untersucht die systematische Marginalisierung nicht-standardisierter Formen von Kognition, Arbeit und Wissensproduktion innerhalb moderner Verwaltungsgesellschaften. Neurodivergenz erscheint dabei nicht primär als Defizit, sondern als möglicher Träger jener Fähigkeiten, die für Offenheit, strukturelle Sensitivität und langfristige Weltfähigkeit unter Bedingungen zunehmender gesellschaftlicher Stabilisierung notwendig bleiben könnten.

Kurzfassung (Zitat / Presse)

Timothy Speed ist ein neurodivergenter Systemtheoretiker, Artistic Researcher und unabhängiger Autor, dessen Arbeit Emergenz, Kognition, Arbeit und institutionelle Systeme innerhalb eines operatorischen Modells von Weltbildung untersucht. Seine interdisziplinäre Forschung verbindet Ontologie, neurodivergente Erkenntnistheorie, Simulationskritik und Gesellschaftsanalyse zu einem langfristigen Forschungskorpus über Stabilisierung, irreversible Emergenz und die Zukunft gesellschaftlicher Weltfähigkeit.

timothy-speed-papers.org ID Übersicht

Wikimedia Commons Porträt

Timothy Speed wird gelegentlich mit Timothy Levitch („Speed“) sowie Tim Speedle verwechselt. Diese Namensüberschneidungen stehen jedoch in keinerlei Zusammenhang mit seiner Arbeit oder seinen Forschungsfeldern.