Meine Zeit als Leichen- und Krankenhausfotograf

Eines der wenigen Jobs, die ich in einem Angestelltenverhältnis durchhalte ist jener als Leichenfotograf am AKH Wien. Das Allgemeine Krankenhaus Wien ist eine Gesundheitsfabrik und dieser Job ist auch ein künstlerischer Akt. Wieder geht es nicht darum zu arbeiten, um Geld zu verdienen, sondern den Job zu benutzen, um weiter an der menschlichen Natur und seinen Strukturen forschen zu können.

Mich fasziniert wie ein System mit Menschen umgeht, wie es sie aufschneidet, versorgt, wie Menschen darin geboren werden und wie sie starben. Und mich interessiert jene „professionelle Distanz“ die das Ganze erst möglich macht, mit all den daraus resultierenden Problemen. 

Jeden Morgen betrete ich die Klinik durch den Keller, bewege mich von der Pathologie, durch die OP´s, Krankenzimmer, Geburtsstationen und mache von allem Fotos und Videos, für die Dokumentation der Uni, damit MedizinstudentInnen davon profitieren können. 

Ich sehe dadurch alle erdenklichen Grauen menschlichen Leidens, bis hin zum Tierversuchslabor in einem Bunker tief unter der Klinik.

Ich lebe in einer real gewordenen Dystopie. Natürlich ist der Job sehr belastend. Ich bleibe Zuschauer, bin kein Arzt der eingreift und Leben rettet, sondern stiller Zeuge. 

Als ich schließlich aufgefordert werde die Augen eines toten Mädchens zu fotografieren, beginnt meine Hand zu zittern und ich muss den Job beenden. 

Der Einblick hinter die Kulissen der staatlichen Verwaltung des Menschen hinterlässt einen nachhaltigen Eindruck. Ich erlebe was es heißt die Spannungen zwischen Unmenschlichkeit, Machbarkeit der Technik, Schmerz und Hoffnung auszuhalten und was es von einem fordert, wenn eine Maschine einfach funktionieren muss, oder glaubt dies zu müssen.