Verdammt sexy - Bruch mit der Mediengestaltung

Mein erstes Buch schreibe ich mit 26-27. Ich bin gerade Vater geworden. Es ist der Versuch aus den Medien auszubrechen und verschafft mir gleichzeitig eine gewisse mediale Öffentlichkeit. Verdammt Sexy – ist ein Pamphlet.

Es ist die Zeit des boomenden Internet. Die Gestaltung passiert über technologische Instrumente, Codes, Programme, Automatismen. Gleichzeitig sinkt der Wert des individuellen Beitrages inflationär. Gestalter bekommen zunehmend weniger bezahlt, werden gegen ProgrammiererInnen ausgetauscht. Es beginnt die Zeit des Copy-Paste, der die Plattformen der gigantischen Internetkonzerne schon bald füllen wird.

Diesen Zusammenbruch einer ganzen Branche will ich nutzen, um andere Werte und Prinzipien der Gestaltung zu beginnen. Ich möchte nicht ein Internet der Geschwindigkeiten, sondern eines der Tiefgänge, nicht eines der Beziehungslosigkeit, sondern der authentischen Bezüge. Das alles flackert nun auf, verbrennt und scheitert. 

Viele warnen mich dieses Buch zu schreiben. Es ist der ultimative Karrierekiller. Ich werde zum Whistleblower, zum Nestbeschmutzer. Man gibt mir inhaltlich recht, will aber heuchelnd im Anschluss nichts mit mir zu tun haben. Denn „the business must go on.“

Eine Minute Fame. Das wars.

Doch was jetzt? Wie geht man damit um, etwas zu begreifen was relevant ist, es für einen kurzen Moment in die Medien zu bringen und anschließend Jahrzehnte zusehen zu müssen, wie die Gesellschaft sich in die entgegen gesetzte Richtung bewegt? 

Was bedeutet „richtige Arbeit“ in einer Gesellschaft die von nun an mit irren Dingen große Erfolge feiert? Es kommt für mich zu einem Bruch mit dem was Erfolg sein soll. Ich beginne die Arbeit an einem anderen Verstehen von Wert im Zusammenhang mit gesellschaftlicher Entwicklung.

Dazu trägt auch ein anderes Ereignis wesentlich bei. 9/11