Künstler, Buchautor, TV- und Filmproduktion, Speaker, Artistic Research: Armutsforschung (Klassismusforschung) Die Zukunft der Arbeit.

2004

Marshall Plan

Anruf von den Leuten vom Marshall Plan

Im Jahr 2004 kommt es zu einer seltsamen Situation, die für meine Arbeit bezeichnend ist. Ich habe gerade viel mit den Leuten von der Global Marshall Plan Initiative um Frithjof Finkbeiner zu tun. Eine Nichtregierungsorganisation, die auf den US Vizepräsidenten Al Gore zurück geht, und auf Leute wie Franz Josef Radermacher. Es geht darum die “soziale Marktwirtschaft” neu zu bauen und in einem neuen Marshall Plan ökologische und soziale Ziele zu verwirklichen. 

Im Grunde ist dies ein Ansatz der Generation von ForscherInnen, PolitikerInnen und Intellektuellen, die nach den Erkenntnissen des Club of Rome, von den “Grenzen des Wachstums”, ab den 80ern anfangen neue Konzepte zu entwickeln. Dazu gehören auch deutsche Größen wie Franz Alt. Darin sind sie jedoch sehr im Institutionalismus, in UN Gläubigkeit, in der Vorstellung verwurzelt, Eliten müssten nur Stellschrauben verändern und vieles werde besser. Sie bringen unter sehr viel Arbeits- und Ressourcenaufwand gigantische, internationale Initiativen auf den Weg, die tatsächlich viel erreichen und doch entfalten sie nie die Wucht einer Greta Thunberg. 

Damals bin ich relativ jung und will die Revolution sofort. Ich sehe viele Konflikte und halte mich mit Kritik nicht zurück. Eines Abends erhalte ich einen Anruf von einem der zentralen Figuren. Er macht mir klar, dass ich, sollte ich meine Arbeit fortführen, als verarmter Intellektueller enden werde. Ich empfinde dies als eine Drohung, bin irritiert und ziehe mich aus meinem Engagement für die Initiative zurück. 

Im Nachhinein, muss ich heute sagen, dass er mit seiner Einschätzung richtig lag. Ich ging an meiner Arbeit pleite. Aber gleichzeitig zeigte sich der wesentliche Generationenwechsel in den unterschiedlichen Haltungen. Ich glaube nicht daran, dass man diese Gesellschaft durch eine Macht von oben verändern kann, indem man in der Kunst des Nudging´s, oder in großen Plänen institutionalisierte Neuordnungen vornimmt. 

Die Institutionen versagen heute mehr denn je. 

Mein Versuch ist es viel mehr über die Sichtbarmachung von Brüchen, über das Austragen der Konflikte, in den Widersprüchen des kapitalistischen Marktes, eine Kulturarbeit zu leisten, die etwas anderes erlebbar macht. Gerade Greta Thunberg zeigt wie wichtig einzelne, abweichende Individuen hierbei sind. Und es ist wichtig, dass die Schwächsten diese Veränderung erarbeiten und repräsentieren und nicht gut bezahlte Politikberater. Es ist die Stimme der Marginalisierten, die nachhaltig die neue Ordnung und Struktur in sich trägt, wie eine veränderte DNA dieser Gesellschaft. 

Meine Arbeit will die Gesellschaft über die Stärkung der gelebten und authentischen Diversität erweitern, nicht von oben einen globalen Plan umsetzen.

An diesem Abend passiert eine Setzung. Ich werde nicht den Weg über Kooperationen und Institutionen gehen.