Künstler, Buchautor, TV- und Filmproduktion, Speaker, Artistic Research: Armutsforschung (Klassismusforschung) Die Zukunft der Arbeit.

2007

Kritische Auseinandersetzung mit Social Business

Das Büro von Peter Spiegel liegt “unter den Linden”, knapp hinter der Humboldt Universität Berlin. Wir sitzen an seinem Schreibtisch und trinken Kaffee. Schon seit einem Jahr befasse ich mich mit Social Business, der Stiftung von Muhammad Yunus und treffe auch Hans Reitz. 

Es gibt fundamentale Unterschiede zwischen unseren Ansätzen, aber ich bin offen für einen Austausch der Ansichten und Erfahrungen. Es kommt immer wieder zu Gesprächen. 

Der wesentliche Unterschied zwischen Social Business und meiner Arbeit besteht darin, dass bei Social Business nur dann sozial und ökologisch gearbeitet und gehandelt wird, wenn es wirtschaftlich funktioniert. Man versucht zwar das vermeintlich “Gute” möglich zu machen, durch intelligente Businessmodelle am “Rande des Marktes”, aber fundamentale Diskriminierungen und Ausbeutungsprinzipien bleiben weitgehend im System aufrecht. Es ist eben nur eine “Randökonomie”, die auch nur darum keine Reibung mit der konventionellen Wirtschaftsweise erzeugt, weil sie eine Ausnahme bleibt, die häufig einfach dem Marketing dient. Wie beim Bedingungslosen Grundeinkommen, wird der kapitalistische Markt selbst nicht oder nur bedingt verändert, gar fundamental in Frage gestellt.

Oft bleibt Social Business daher in einem “Gutmenschentum”, im westlichen Wohlstand aufgewachsener Personen, stecken. 

In meinem Ansatz hingegen wird die relevante Arbeit im Sinne von Mensch und Umwelt, soweit man sich dessen bewusst werden kann, so oder so gemacht. Die Gesellschaft ist dann damit konfrontiert, zu entscheiden, was wirklich relevant, sinnvoll und wertvoll ist. Jedoch nicht über einen anonymen Markt, sondern in direkter Auseinandersetzung. 

Entweder diese Gesellschaft erkennt den Wert, beispielsweise in der Arbeit die ich und viele andere AktivistInnen und Engagierte (Carework usw…) tun, oder sie lässt uns verhungern. Dann aber muss sie dies mit ansehen. Es geht darum die Verantwortung im Markt neu zu verankern und sichtbar zu machen, dass sich die Strukturen des Marktes fundamental ändern müssen, um wirklich nachhaltige Ökonomie stattfinden zu lassen.

Daher stelle ich in allem was ich tue, Resonanzfelder, Beziehungen zu großen Konzernen oder AkteurInnen der Politik her, damit sie Konsequenzen erkennen.

Meine Kritik an Social Business ist daher nicht grundsätzlich, denn auch Social Business hat seine Berechtigung, aber es ist nur ein Schritt und die Gefahr besteht darin, dass der Westen dem Irrtum aufsitzen könnte, man würde das Unrecht einfach ungeschehen machen, indem man von Industrialisierung auf umweltgerechtere oder sozialere Mechanismen umsteigt. Es fehlt in Social Business an Demut, gegenüber den eigenen Schatten, sowie an Aufarbeitungsbereitschaft, was die Opfer des kapitalistischen Marktes betrifft.