Künstler, Buchautor, TV- und Filmproduktion, Speaker, Artistic Research: Armutsforschung (Klassismusforschung) Die Zukunft der Arbeit.

2010

Timothy Speed und Red Bull

Red Bull - Als ich drohte einen Stier zu töten

Im Sommer fahre ich nach Salzburg und bin genervt, weil wieder alle Projekte und Budget´s von Konzernen gestrichen wurden. Niemand will mich dafür bezahlen die Gesellschaft zu retten. 

Vor diesem Hintergrund erkenne ich, dass diese Ökonomie sich nur verändern lässt, wenn das Ökonomische vollkommen ausgehebelt und neue Spielregeln eingeführt werden. Das Verhältnis von KundInnen und Angestellten ist pervers, dumm und für die Menschheit schädlich. Während Konzerne den ganzen Planeten mit ihren Objekten zustellen, bleibt der Mensch in Abhängigkeit und Machtlosigkeit zurück. Das alles soll sich nun ändern. 

Es ist ein schöner Tag. Ich betrete die Zentrale von Red Bull in Fuschl, ein Ort, gleich einem Kloster für Yuppies. Zur Vorzimmerdame sage ich, ich mache demnächst ein Kunstprojekt hier in Fuschl und würde gerne Dietrich Mateschitz sprechen. Ich habe geplant vorne auf dem Gelände, im Gegenwart der Presse, einen Stier zu töten, um im Anschluss das Unternehmen und die gesamte Ökonomie zu übernehmen und zu reformieren. Dann werden die Leute endlich munter werden, als hätten sie Red Bull literweise getrunken. 

Dafür bräuchte ich einen Termin, sagt sie. Ich übergebe höflich das Konzept und gehe spazieren, um mich in der näheren Umgebung bei den Landwirten schon mal nach einem passenden Stier umzusehen. 

Zwei Tage später erhalte ich einen Anruf von der rechten Hand des Chef´s. Man will gerne mehr erfahren. Wir telefonieren über mehrere Monate hinweg immer wieder, mir wird mit Anwälten gedroht, dann werde ich zu Kaffee und Kuchen eingeladen, um mich milde zu stimmen. Ich sage, ich werde die Bundesstraße vor dem Konzern sperren lassen und dorthin die Presse einladen. Man bietet mir auch eine Ausstellung an, allerdings erst in einigen Jahren. Man plant sehr lange im Voraus. 

In dieser Zeit entfaltet sich ein Psychogramm der Verhältnisse zwischen Mensch und Unternehmen, der äußerst aufschlussreich ist. 

Was passiert, wenn der Mensch in die Konzerne geht und einfach unaufgefordert und selbstbestimmt zu arbeiten beginnt? Mit welchem Recht werden wir durch die Konzerne daran gehindert? 

Diese Erfahrung wird zum Wendepunkt in meiner Arbeit. Ich habe zuvor alles probiert, um Teil dieser Ökonomie zu werden, aber sie will mich als ganzen Menschen nicht leben lassen. Sie will mich als Funktion missbrauchen. Die logische Konsequenz daraus ist es, von nun an die Perversion der ökonomischen Verhältnisse im Kapitalismus mit aller Macht öffentlich aufzudecken und vorzuführen. 

Bis diese Gesellschaft begreift, dass eine andere Arbeitsweise erforderlich ist, um die Probleme unserer Zeit bewältigen zu können. Denn das Wegmachen der Wirklichkeit, durch den Zwang zum Erfolg, um darüber Natur und Mensch zu entwerten, zum Vorteil von Wenigen, kann keine angemessene Reaktion auf zunehmende soziale Spannungen, einen massiven Rechtsruck in Europa und die Zerstörung von Diversität und Umwelt sein. 

Die Wirtschaft kann uns nicht retten. Das Geld kann uns nicht retten. Nur der erneut mit allem in Beziehung gehende und integrativ arbeitende Mensch bringt die Veränderung mit sich. 

Hört auf zu funktionieren! 

Die Tötung des Stieres ist ein symbolischer Akt, der von mir nie real umgesetzt wird. Es geht um das Symbol des Bullen der Börsen, des goldenen Kalbes, der Herrschaft kolonial-kapitalistisch-patriarchaler Dominanz. 

Daraus gehen viele weitere Projekte und der Roman “Stieren des Weltdesigners” hervor.